Neuigkeiten

Phenmedipham im Zuckerrübenanbau – Alternativloses Blattherbizid?

31/07/2022

Bereits zum ersten Januar 2020 wurde die Zulassung des Wirkstoffs Desmedipham (DMP) entzogen. Der Wirkstoff diente der Herbizid Behandlung in Zuckerrüben und musste bereits im Frühjahr 2020 verbraucht werden, für Restbestände gilt inzwischen eine Entsorgungspflicht.

Auch die Zulassung des chemisch sehr ähnlichem Wirkstoffs Phenmedipham (PMP) drohte im Juli 2021 bis Juli 2022 auszulaufen. Glücklicherweise wurden die Zulassungen von diversen Phenmedipham-Produkten, unter Verschärfung der Anwendungsauflagen, verlängert. Beide Wirkstoffe hemmen die Photosynthese im Photosystem II und werden somit mit einem hohem Resistenzrisiko in Verbindung gebracht. Während mit Completto bereits ab 2020 das erste PMP-haltige Pflanzenschutzmittel seine Zulassung verloren hat, wurden zum 31.07.2021 die Zulassungen von den Pflanzenschutzmitteln Betosip SC, Betasana SC und Belvedere Duo für zwei bzw. drei Jahre verlängert. Betosip SC, Betasana SC und Betanal SE sind somit bis zum 31.07.2023 zugelassen, während die beiden Kombi-Präparate Betanal Tandem und Belvedere Duo ein weiteres Jahr, bis zum 31.07.2024 zugelassen sind. In einem halben Jahr, also am 31.12.2022, läuft die Zulassung von Aabetan Tandem, dem letzten noch nicht genannten, PMP- basierenden ZR-Herbizid, aus.

Folglich ist spätestens nach dem Frühjahr 2025 (max. 18 Monate nach Zulassungsende, bei Widerruf deutlich kürzer!), endgültig jeglicher Einsatz dieses Wirkstoffes verboten, sollte nicht kurzfristig eine Zulassungsverlängerung erfolgen. Da auch PMP in Verdacht steht, sich negativ auf den Hormonhaushalt von Mensch und Tier auszuwirken, könnte ein abruptes Zulassungsende oder ein Zulassungswiderruf, wie bei DMP, folgen. Eine abschließende Prüfung durch die EFSA steht noch aus, die Zukunft dieses wichtigen Blattwirkstoffes bleibt somit noch ungewiss.

Um mögliche Alternativen zu erarbeiten, führte das Institut für Zuckerrübenforschung 2019 Versuche zu Herbizidstrategien unter Verzicht auf Desmedipham und Phenmedipham, auf 10 Standorten durch. Hierbei zeigte sich, dass die beiden alternativen Blattwirkstoffe Clopyralid und Triflusulferon-methyl, Wirklücken beim weißen Gänsefuß und Windenknöterich aufweisen. Eine sehr gute Unkrautreduktion mit Wirkungsgraden von insgesamt >98,2% und >99% beim weißen Gänsefuß, wurde jedoch durch drei NAKs mit folgender Tankmischung aus altbekannten Wirkstoffen erreicht: Mit vorrangiger Bodenwirkung, aber auch einer gewissen Blattwirkung, wurden zu jedem Termin Metamitron, Ethofumesat, Quinmerac und Dimethenamid-P eingesetzt. Mit Hinblick auf die Blattwirkung kam zusätzlich noch Triflusulferon-methyl und ein Formulierungshilfsstoff zum Einsatz.


Neben den sicherlich hohen Kosten dieser umfangreichen Mischung ist die Wirklücke beim Windenknöterich zu bemängeln. Dies könnte auf Dauer zu einem erhöhten Unkrautdruck seitens dieses einjährigen Unkrauts führen. Mit Hinblick auf das Resistenzmanagement und Wirkstoffwechsel, nach Ausscheiden von PMP, machten zwei zu dieser Zeit in der Zulassung befindliche Produkte bedingte Hoffnung. Sie zeigten in dem Versuch 2019 eine mit der PMP-haltigen Variante vergleichbare Wirkung, benötigen aber auch mindestens Metamitron, Quinmerac und Ethofumesat als Mischpartner um sehr gute Ergebnisse zu erzielen. Eine deutliche Kostenersparnis ist somit nicht zu erwarten. Der Bodenwirkstoff Lenacil wurde bereits zugelassen und wird vermutlich noch lange verfügbar bleiben. 2019 zeigten er in Verbindung mit den drei zuvor genannten Wirkstoffen über drei NAKs sehr gute Wirkung, sowohl mit als auch ohne zusätzlicher Verwendung von Clopyralid (zusätzliche Wirkung gegen Windenknöterich). Zu beachten ist allerdings, dass alle PMP-freien Tankmischung einen hohen Anteil an bodenwirksamen Wirkstoffen enthalten und somit unter trockenen Bodenverhältnissen ungenügende Wirkungsgrade zu erwarten sind. Ferner ist zu bemängeln, dass die Wirkung gegen den weißen Gänsefuß hauptsächlich auf dem Wirkstoff Metamitron fußt. Es wurden bereits erste metamitron-resistente w. Gänsefuß-Stämme gefunden. Mit dem Ausscheiden von PMP würde die Resistenzentwicklung und -Selektion unter trockenen Bodenbedingungen somit stark beschleunigt werden. Der zweite getestete Wirkstoff S-Metachlor hat bisher leider keine Zulassung in Zuckerrüben erhalten und wirkt ebenfalls hauptsächlich über den Boden.

Doch wie steht es um die weitere Zulassung der genannten Wirkstoffe?

Die Zulassungen aller Clopyralid-haltigen Mittel enden zwischen 2022 und April 2023. So läuft nicht nur zum 30.04.2023 die Zulassung von Lontrel 600 (am 31.12.2022 von Lontrel 720 SG) aus, auch Getreideherbizide, wie Ariane C und Primus Perfekt laufen zum 30.04.2023 bzw. 30.09.2022 aus. Es bleibt abzuwarten, ob eine Wiederzulassung bzw. Zulassungsverlängerung für diesen Wirkstoff mit Blattwirkung, erreicht werden kann.


Da aktuell drei Hersteller bereits eine Zulassung für Triflusulfuron-Produkte (z.B. Debut Duo Active, SHIRO 500) bis zum 31.12.2023 bekommen haben, scheint dieser Blattwirkstoff noch länger zum Resistenz-Management zur Verfügung zu stehen. Zu beachten ist jedoch auch hier die oben genannten Wirklücke, gerade beim kombinierten Einsatz mit Metamitron.

Metamitron-Produkte (z.B. Goltix Gold) sind bis auf ein Produkt aktuell bis zum 31.08.2023 zugelassen, wobei damit zu rechnen ist, dass eine Zulassungsverlängerung erfolgreich ist, da ein Kombiprodukt bereits bis zum 31.12.2024 zugelassen ist. 

Wirkstoffe wie Ethofumesat (z.B. Tramat 500) und Quinmerac (z.B. Goltix Titan) besitzen ebenfalls aktuell Zulassungen für 2023, 2024, im Fall einiger Ethofumesat-Produkte sogar bis 2032 und bleiben somit hoffentlich noch lange für den Rübenanbau erhalten.

 Eine zuverlässige Unkrautbekämpfung sollte somit mindestens in den nächsten zwei Jahren auch ohne Phenmedipham durch geschickte Kombination der Produkte erreicht werden können. Fraglich ist jedoch, ob ein Resistenzmanagement mit einer derart begrenzten Auswahl an Blattwirkstoffen dauerhaft erfolgreich ist. Deshalb bleibt zu hoffen, dass insbesondere neue Wirkstoffe mit Blattwirkung zugelassen werden und Wiederzulassungen/Zulassungsverlängerungen der zuvor genannten Wirkstoffe (vor allem PMP) genehmigt werden.

Ein elementares Glied des Resistenzmanagements ist es, zu jedem Zeitpunkt die maximale Wirksamkeit der ausgebrachten Herbizide zu gewährleisten. Selten wird hierbei die Beschaffenheit der Spritzbrühe beachtet. Jedoch sorgen hartes Wasser und ein hoher pH- Wert, wie er häufig im Brunnenwasser der Betriebe vorliegt, für einen raschen Wirkverlust der Herbizide. Beispielsweise wird PMP bei einem pH-Wert von 9, nach 7 bis 10 Minuten bereits zur Hälfte abgebaut oder deaktiviert. Dieser Effekt wirkt also bereits nach 10 Minuten, wie ein Aufwandmengenreduktion um 50 %! Eine gleichzeitige Reduktion der tatsächlichen Aufwandmenge oder eine noch längere Wartezeit der Brühe in der Spritze, gefährdet die Wirksamkeit umso mehr, mit den allseits bekannten Auswirkungen auf die Resistenzbildung, insbesondere des weißen Gänsefußes.

Diese Effekte können mit Additiven zur Wasserkonditionierung leicht vermieden werden, jedoch werden diese oft aufgrund ihrer Kosten gescheut. Mit Complesal® B Max pH können wir Ihnen einen Spurennährstoff-Mischdünger anbieten, der ebenfalls diese wasserkonditionierenden Eigenschaften aufweist, aber gleichzeitig die Pflanze mit Bor und Mangan versorgt. Auch bezüglich der Kosten pro Anwendung sind die Complesale® konkurrenzfähig gegenüber reinen Wasserkonditionierern, da (je nach Produkt) nur 100 - 150 ml / 100 l Spritzbrühe benötigt werden, um das Wasser zu enthärten und den pH-Wert zu neutralisieren. Gleichzeitig sichert das enthaltene Haftmittel die Wirkung von blattaktiven Wirkstoffen wie PMP.

Versorgen Sie also Ihre Zuckerrüben mit Bor und betrieben sie gleichzeitig aktives Resistenzmanagement durch Wirkungssicherung, indem Sie 1-2 l/ha Complesal® B Max pH zu den NAKs mischen!

Falls Sie Fragen zu den Complesal®-Produkten haben, stehen Ihnen selbstverständlich unsere Mitarbeiter telefonisch und per E-Mail zur Verfügung.

Tel.-Nr.:           +49 173 7627701
E-Mail:             service@uniferx.com