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Raps – Wie geht er bei Trockenheit zuverlässig auf und kommt gut durch den Winter?

24/08/2022

Angesichts der anhaltenden Trockenheit in den vergangenen Wochen, steht die eigentlich zeitnah anstehende Rapsaussaat aktuell noch bei vielen Betrieben in den Sternen. Zu groß scheint das Risiko eines schlechten Aufgangs bei ausbleibendem Regen, zu hoch die Saatgutkosten um dies problemlos hinnehmen zu können.

Doch welche Stellschrauben verbleiben aktuell, um den gleichmäßigen und sicheren Aufgang auch unter trockenen Bedingungen zu gewährleisten?

Wenn das Stroh der Vorfrucht abgefahren oder genügend fein gehäckselt sowie gut eingearbeitet wurde, sollte auf den Einsatz des Pfluges verzichtet werden. Dies schont den verbliebenen Bodenwasservorrat, durch den Verbleib einer Mulchschicht an der Oberfläche, senkt die Oberflächentemperatur und verhindert Transpiration. Weiterhin ist zu bedenken, dass ein gepflügtes Saatbett bei den aktuellen, sehr trockenen Bedingungen, schnell durch Niederschläge verschlämmt wird, was wiederum ebenfalls dem Aufgang schadet.

Bei früh gebrochenen Gerstenstoppeln, sowie einem verdichtungsfreiem Bodenhorizont, ist eine Bodenbearbeitungstiefe von 15 cm ausreichend. Wurde die Vorfrucht jedoch spät geräumt und dementsprechend wenig Zeit zur Strohrotte ist vergangen, sollte ein deutlich tieferer Grubberstrich erfolgen, um die Strohmenge mit Erde zu vermischen. Dies ist auch bei Bodenverdichtungen aus dem Vorjahr nötig, auf die der Raps sehr empfindlich mit Aufgangsfehlern und Wachstumsdepressionen reagiert. Die charakteristische Pfahlwurzel findet in diesen Fällen nicht den direkten Weg nach unten und die Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit sinkt dementsprechend.

Wichtig ist sowohl nach dem Grubber als auch nach dem Pflug, dass eine gute Rückverfestigung stattfindet. Hierzu sind schwere Grubbernachläufer sowie Tiefenpacker zu empfehlen. Die Verringerung der Grobporen zugunsten der wasser-haltenden Mittelporen verhindert einen weiteren Wasserverlust des Bodens und ermöglicht die ungestörte Wurzelbildung des Raps.

In trockenen Jahren sollte die Aussaat direkt anschließend an die tiefe Bodenbearbeitung erfolgen, um die an die Oberfläche gebrachte Bodenfeuchtigkeit zu nutzen und wiederum weitere Wasserverluste zu verhindern.

Bei den aktuell sehr trockenen Bedingungen ist eine Saattiefe von 2 bis 3 cm zu empfehlen. Hierbei ist auf eine akkurate Einhaltung der Ablagetiefe sowie einen guten Bodenschluss des Samens zu achten. Ein Großteil der deutschen Rapsflächen werden aktuell noch per Drilltechnik bestellt. Dies bringt zum einen eine höhere Auslastung der betriebseigenen Drillmaschinen und zum anderen einen früheren Bestandesschluss im Herbst und dementsprechend eine gute Unkrautunterdrückung.

Gerade in trockenen Jahren spielt jedoch die Einzelkornsaat ihre Stärken aus. Aufgrund der genaueren Ablagetiefe, der definierten Abstände zwischen den Einzelpflanzen und der nachfolgenden Andruckrollen, kann die Saatgutmenge um ca. 20 % reduziert werden und gleichzeitig ein deutlich besserer Feldaufgang realisiert werden. Nutzt man bei der Einzelkornsaat die Räumer, um die Saatreihenoberfläche tiefer als den Bodenhorizont zu legen, ergeben sich weitere Vorteile dieser Technik. So ist in dem tieferen relativen Horizont mehr Keimwasser vorhanden, die Saatreihe wird vor Transpiration geschützt und im Winter ist weniger Auswinterung zu beobachten. Hier erweist sich der zur Bodenoberfläche tiefere Vegetationskegel, mit Hinblick auf Frostschäden vorteilhaft. Weiterhin ist durch die geringere Pflanzenzahl, aber die gleichzeitig bessere räumliche Allokation, die Blatt- und Wurzelmasse sowie der Durchmesser der Pfahlwurzel deutlich höher als bei der Drillsaat. Abschließend sei noch erwähnt, dass man sich bei trockenen Bedingungen bei der Einzelkornsaat mit Andrucktechnik, einen nachfolgenden Walz-Gang im Gegensatz zur Drilltechnik sparen kann. Dies mindert die Kosten und auch die Erosionsgefahr.

Gegen eine Einzelkornsaat sprechen die schlechtere Unkrautunterdrückung zwischen den Reihen und ein deshalb u.U. höherer Herbizid Einsatz. Weiterhin fallen oft Kosten für den Lohnunternehmer an, da ein geeignetes Einzelkornlegegerät mit einem Reihenabstand von 45 cm oder weniger, vermutlich nur auf recht großen Betrieben zu finden sein wird. Diese Kosten können selbstverständlich gegen die eingesparten Saatgutkosten verrechnet werden, sodass hier oft sogar eine beinahe kostenneutrale Zwischenbilanz gezogen werden kann. Schließlich ist aufgrund der geringeren Pflanzenzahl mit einer erhöhten Anzahl an Seitentrieben zu rechnen. Dies führt zu einer ungleichmäßigeren Abreife und dementsprechend einer späteren Ernte. Bei Reihenabständen von 45 cm oder weniger waren jedoch die Erträge in allen gesichteten Untersuchungen gleich oder besser als bei der Drilltechnik.

Selbstverständlich können alle technischen und anbautechnischen Ansätze keinen Regen ersetzen, aber das Risiko eines ausbleibenden Auslaufens, sollte der gemeldete Regen doch nicht kommen, deutlich verringern!

Wenn Sie diese Tipps beherzigt haben und neben einem guten Aufgang eine saubere Ausbildung der Pfahlwurzel beobachten können, bleiben Ihnen ein paar Stellschrauben im Pflanzenschutz, um Auswinterungsschäden zu vermeiden.

So können früh gesäte oder schnellwüchsige Bestände im 3- bis 4-Blattstadium mit Fungiziden mit Wachstumsregler-Wirkung behandelt werden. Dies senkt die Frostanfälligkeit des Vegetationspunktes, da er näher am Boden verbleibt und schützt die Pflanze gleichzeitig vor einer Phoma-Infektion. Um die Kürzungswirkung und die Fungizide Wirkung zu verstärken, kann die Behandlung auch in 3-4-Blatt- und 6-Blatt-Behandlung aufgeteilt werden.

Im Rahmen der Pflanzenschutzmaßnahmen im Herbst ist die Anwendung von 1-2 l/ha Complesal® B Max pH zu empfehlen. Dies ist problemlos möglich, da die Complesale den pH-Wert puffern und damit die Wirksamkeit der eingesetzten Pflanzenschutzmittel sichern. So kann die strukturelle Festigkeit des Stängels und der Blätter gestärkt werden. Ein Bormangel im Herbst führt zu hohen Auswinterungsschäden, da die Stängel Hohlherzigkeit, also ein verbräuntes Aufplatzen der Stängel aufweisen. Eine weitere Applikation dieses Borblattdüngers im Frühjahr sichert die Blüten- und Schotenbildung und verringert das Risiko der physiologischen Knospenwelke.

Abschließend ist auf leichten Böden eine Applikation von Complesal® Mn Max ASCO, im Herbst, zu empfehlen. Raps hat zum Herbst schon einen hohen Manganbedarf, der gedeckt werden muss, um die Winterhärte des Rapsbestandes zu sichern. Weiterhin fördert die biostimulierende Wirkung von Ascophyllum Nodosum die Kältetoleranz der Rapspflanzen und steigert bei einer Anwendung im Frühjahr, die Regeneration von Auswinterungsschäden.

Wir wünschen Ihnen ein erfolgreiches Raps-Anbaujahr!

 

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